Wer zum ersten Mal die Wohnung eines nahestehenden Menschen betritt, in der sich über Jahre alles angesammelt hat, reagiert meist gleich: Das muss weg, und zwar sofort. Der Impuls ist verständlich. Er führt aber häufig dazu, dass sich die Situation nach einigen Monaten wiederholt – und dass das Vertrauen zwischen Ihnen und der betroffenen Person beschädigt ist.
Es ist kein Ordnungsproblem
Pathologisches Horten ist als eigenständiges Krankheitsbild anerkannt. Charakteristisch ist nicht Unordentlichkeit, sondern eine große Schwierigkeit, sich von Dingen zu trennen, verbunden mit starkem Unbehagen beim Gedanken daran, etwas wegzugeben. Häufig kommen andere Belastungen dazu – Depressionen, Angsterkrankungen, Trauer nach einem Verlust, soziale Isolation.
Daraus folgt der wichtigste Punkt für Angehörige: Eine Wohnung leerzuräumen behebt die Ursache nicht. Ohne Begleitung füllt sie sich in vielen Fällen wieder.
Was nicht hilft
Heimlich entsorgen, während die Person nicht da ist. Das wird als Übergriff erlebt und zerstört die Vertrauensbasis, auf der jede weitere Hilfe aufbauen müsste.
Druck, Vorwürfe und Ultimaten. Scham ist bei Betroffenen ohnehin fast immer vorhanden – deshalb kommt oft jahrelang niemand in die Wohnung. Mehr Scham führt zu mehr Rückzug, nicht zu mehr Bereitschaft.
Alles auf einmal. Eine Wohnung in einem Durchgang komplett zu leeren ist für Betroffene oft überfordernd.
Was hilft
Das Gespräch ohne Wertung führen. Nicht über die Gegenstände, sondern über die Situation: Wie geht es dir damit? Was würde dir das Leben leichter machen? Wovor hättest du Angst, wenn hier etwas verändert wird?
Professionelle Unterstützung einbeziehen. Hausärztin oder Hausarzt sind meist der niedrigschwelligste Einstieg und können weitervermitteln. Psychotherapeutische Begleitung, Sozialberatungsstellen und in Oberösterreich die Angebote der Sozialberatungsstellen der Gemeinden und Bezirke sind die eigentlichen Ansprechpartner. Eine Räumungsfirma ist es nicht – wir können den Raum schaffen, nicht die Ursache behandeln.
Konkrete Gefahren ansprechen. Wenn Fluchtwege blockiert sind, Schimmel auftritt, Ungeziefer da ist oder die Elektrik überlastet wird, geht es nicht mehr nur um Lebensqualität. Das lässt sich sachlich benennen, ohne die Person abzuwerten.
Die Person entscheiden lassen, wo möglich. Auch bei einer beauftragten Räumung: Welche Räume zuerst? Was bleibt auf jeden Fall? Wer darf dabei sein? Jede Entscheidung, die bei der betroffenen Person bleibt, macht den Vorgang erträglicher.
Wenn geräumt wird
Kommt es zur Räumung, sollte sie ruhig und ohne Publikum ablaufen. Wir arbeiten mit Schutzausrüstung, sortieren statt pauschal zu entsorgen und sichern persönliche Dokumente und Fotos. Auf Wunsch kommen wir mit neutralen Fahrzeugen und außerhalb der belebten Zeiten im Haus.
Nach Räumung, Grundreinigung und Desinfektion ist eine Wohnung in den meisten Fällen wieder bewohnbar. Ob darüber hinaus saniert werden muss, sehen wir bei der Besichtigung. Mehr dazu auf der Seite Messi-Wohnungen.
Wenn Sie selbst betroffen sind oder sich um jemanden sorgen: Der erste Schritt kann ein Gespräch mit der Hausärztin oder dem Hausarzt sein. In akuten Krisensituationen ist die Telefonseelsorge österreichweit rund um die Uhr unter 142 kostenlos erreichbar.